Datenschutzfreundliche Mail-Anbieter · E-Mail Datenschutz

Täglich werden E-Mail gesendet und empfangen. Anders als analoge Briefe, die in frankierten Umschlägen versendet werden. Werden elektronische Mails standardmäßig unverschlüsselt verschickt. Damit E-Mails verschlüsselt auf dem Mail-Server liegen, sollte man sie mit PGP verschlüsseln. Da nicht jeder Kommunikationspartner auf Verschlüsselung setzt, sind für die Integrität und den Datenschutz bei der E-Mail-Kommunikation datenschutzfreundliche Mail-Anbieter von immenser Bedeutung. Hier gibt es kostenlose und kostenpflichtige Angebote.

Das Problem von GMail, Outlook und Co.

Viele Menschen nutzen die Gratis-Angebote von GMail, Outlook, GMX und web.de. Ein Account bzw. Mail-Postfach ist schnell erstellt. Da diese Unternehmen selbst nichts zu verschenken haben und wirtschaftlich agieren, finanzieren sich diese Angebote vor allem über Werbung. Teilweise werden hierfür die (unverschlüsselten) E-Mails auf ihre Werberelevanz durchforstet. Man sollte nämlich bedenken: Wenn etwas nichts kostet, ist man meist selbst das Produkt. Im Beispiel wird man Produkt von den Werbekonzernen Alphabet, Microsoft und United Internet. Wer das nicht will, sollte auf datenschutzfreundliche Mail-Anbieter bzw. Alternativen setzen.

Medial für Aufmerksamkeit gesorgt hat im Jahr 2017 die Ankündigung von Google künftig E-Mails bei Gmail nicht mehr für Werbezwecke zu analysieren. Betonung auf „für Werbezwecke“.

Bereits jetzt wird G Suite´s Gmail nicht als Input zur Personalisierung von Anzeigen verwendet, und Google hat beschlossen, noch in diesem Jahr beim kostenlosen Gmail-Dienst für Verbraucher nachzuziehen. Nach dieser Änderung werden Gmail-Inhalte für Verbraucher nicht mehr für personalisierte Anzeigen verwendet oder gescannt (englisch: https://blog.google/products/gmail/g-suite-gains-traction-in-the-enterprise-g-suites-gmail-and-consumer-gmail-to-more-closely-align/).

Die Datenschutzerklärung von Google schließt Analyse und anderweitige Verwertung nicht aus.

Wir erheben auch die Inhalte, die Sie bei der Nutzung unserer Dienste erstellen, hochladen oder von anderen erhalten. Dazu gehören z.B. E-Mails, die Sie verfassen und empfangen, Fotos und Videos, die Sie speichern, Dokumente und Tabellen, die Sie erstellen, und Kommentare, die Sie zu YouTube-Videos schreiben.
https://policies.google.com/privacy?hl=de

Diesen Datenschutz-Bedenken zu Trotz, muss man einräumen, dass die genannten Dienste alle komfortabel sind. In meinen Augen ist der (unsichtbare) Preis für deren Nutzung jedoch zu groß.

Mailbox und Posteo · 1€ pro Monat für Datenschutz

Transparenter sind Geschäftsmodelle, bei denen man für eine Dienstleistung Geld bezahlt. Im Umkehrschluss bedeutet das aber nicht, dass man immer Datenschutz erhält, wenn man etwas in barer Münze begleicht. Zwei empfehlenswerte Mail-Anbieter aus Deutschland, die werbefreie und datenschutzfreundliche Postfächer anbieten, sind mailbox.org und posteo.de. Die Server werden mit Öko-Strom betrieben, sodass man mit gutem Beispiel dem Klimawandel etwas entgegensetzt und an einer nachhaltigen Zukunft arbeitet. Die Postfächer können (müssen aber nicht) anonym genutzt werden. Lobenswert sind die regelmäßigen Transparenzberichte der Anbieter. Clever ist die Möglichkeit einen öffentlichen PGP-Schlüssel zu hinterlegen, sodass auch unverschlüsselte eingehende E-Mails verschlüsselt auf dem Mail-Server abgelegt werden. Ab 1€ pro Monat kann man die Dienste von Mailbox oder Posteo auch in Anspruch nehmen.

Ehrlicherweise habe ich mich auch lange Zeit dagegen gesträubt für einen E-Mail-Dienst zu bezahlen. Wenn man jedoch bedenkt, wie wertvoll die eigenen Daten in einer immer stärker digitalisierten Welt sind, drängt sich ein gutes Gefühl auf, für 12€ im Jahr seine Datenhoheit wieder zurückzugewinnen. 12€ sind im Niedriglohn-Sektor etwas mehr als eine Stunde Arbeit. Gut investierte Zeit, um sein E-Mail-Postfach ein Jahr lang von Datenschutz-Sünden zu befreien.

Ich selbst bin zufriedener Kunde beim datenschutzfreundlichen Mail-Anbieter Mailbox.org.

3 Monate Mailbox.org kostenlos testen

Statt einen Monat, kann ich dich einladen, Mailbox.org drei Monate kostenlos zu testen. Du kannst mich nach einem Einladungs-Link fragen. Ich teile die Werte des Mail-Anbieters Mailbox zu Datenschutz und profitiere hiervon nicht finanziell.

Ein weiteres kostenpflichtiges Angebot ist StartMail aus den Niederlanden. Dieses kostet 49,95€ pro Jahr. Das Mail-Angebot vom Startpage-Betreiber kann 7 Tage kostenlos getestet werden. Falls jemand diesen zur Vollständigkeit erwähnten Service nutzt, wäre ich dankbar über Insights.

Kostenlose datenschutzfreundliche Mail-Anbieter

Wer aus verschiedenen (ökonomischen, psychologischen) Gründen nicht bereit ist, für seinen Mail-Anbieter zu bezahlen, muss umgekehrt nicht zwangsläufig auf Datenschutz bei der E-Mail-Kommunikation verzichten. Es gibt abseits der großen IT- und Werbekonzerne sympathische kleinere Unternehmen und Organisationen, die sich als datenschutzfreundliche Mail-Anbieter positionieren. Einige der Mail-Dienste habe ich temporär bzw. probeweise in Nutzung gehabt.

Disroot.org – die Wurzel alles Guten

Disroot ist ein in Amsterdam ansässiges Projekt, welches durch Freiwillige unterhalten wird und auf die Unterstützung seiner Gemeinschaft angewiesen ist. Seit 2015 bieten die Niederländer einen datenschutzfreundlichen Mail-Service und weitere Datenschutz-fokussierte Angebote an.

Tutanota – Das Latinum der sicheren Nachricht

Tutanota bezeichnet sich als „sichersten E-Mail-Dienst„. Mit Verschlüsselung, Verzicht auf Tracking und Open Source legt man eine gute Basis. Die Spuren der Tutao GmbH führen nach Hannover. Tutanota E-Mails lassen sich nicht über E-Mail-Clients wie Thunderbird lesen. Es wird hierbei auf den Web-Client, die Desktop-Clients und die Apps für Android und iOS verwiesen.

Systemli.org – linkes Technik Kollektiv

Systemli.org wird vom Verein Digitale Partizipation e.V. aus Berlin getragen. Das seit 2003 tätige linke Technik Kollektiv und vergleichbare Technikkollektive bieten neben weiteren Diensten einen datenschutzfreundlichen Mail-Service an. Allerdings hat man sich bewusst gegen eine offene Registrierung von E-Mail-Accounts entschieden, um einen Missbrauch der Dienste zu verhindern. Man setzt auf Connections und Einladungscodes von Freunden und Bekannten.

ProtonMail – Datenschutz positives Hadron?

ProtonMail ist ein seit 2013 tätiger Mail-Anbieter. Die Schweizer Mutter-Gesellschaft Proton Technologies AG ist auch für den VPN-Service ProtonVPN bekannt. Erreichbar ist man sogar via Hidden Service im Tor Netz. Für die Gratis-Variante benötigt man die ProtonMail-App, da man kostenlos nicht die ProtonMail Bridge und damit z.B. nicht Thunderbird nutzen kann. Das Unternehmen wirbt mit Schweizer Datenschutz. Dieser ist jedoch seit dem Bundesgesetz betreffend die Überwachung des Post- und. Fernmeldeverkehrs (BÜPF) und dem Bundesgesetz über den Nachrichtendienst ein löchriger Käse. Dies zeigt auch die aktuelle Diskussion, um die Herausgabe von Daten an Schweizer Sicherheitsbehörden, die wiederum mit US-Behörden kooperiert haben. Abseits weiterer Kontroversen rund um die Traceroute der Schweizer IP-Adresse und den Verbindungen zu Israel und Radware hat das Unternehmen in einem anderen Fall bereits freiwillig Echtzeit-Überwachungen angeboten. Hier ist gesunde Skepsis geboten.

ProtonMail hat in einem aktuellen Strafverfahren Nutzerdaten an die Schweiz ausgeliefert, die mit Strafverfolgungsbehörden in den USA kooperieren.

… und viele weitere Mail-Anbieter. Fehlt ein wichtiger Dienst in der Liste? Dann schreibt mir.

Fazit · Datenschutzfreundliche Mail-Anbieter

Die Basis für Datenschutz bei E-Mails wird mit einem datenschutzfreundlichen E-Mail-Anbieter gesetzt. Bei der Auswahl an kostenlosen und kostenpflichtigen Angeboten sollte für Private und Unternehmen etwas passendes dabei sein. Wir entscheiden mit unserer Auswahl, wie stark das Internet von IT-Konzernen vereinnahmt wird und welche Bedeutung Datenschutz einnimmt.


LG Mr. Datenschutz – die Adresse für Datenschutz und Freiheit

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