„Anonymisierte“ Google-Suche · Startpage Datenschutz

Startpage wirbt gerne mit Datenschutz. Die Suchmaschine anonymisiert Such-Ergebnisse von Google und positioniert sich selbst als datenschutzfreundliche Google-Suche. Es stellt sich die Frage, ob Startpage im Suchmaschinen-Markt diesem Datenschutzversprechen gerecht wird.

Was ist Startpage?

Startpage ist eine Suchmaschine (https://startpage.com/), die von der niederländischen Surfboard Holding B.V. betrieben wird. Das Unternehmen ist mir bereits seit den „guten alten“ Ixquick-Zeiten bekannt. Mit Ixquick.eu hatte man eine eigenständige europäische Suchmaschine, die Suchergebnisse aus verschiedenen Quellen zusammenstellt, im Angebot. Schade, dass diese im April 2018 eingestellt worden ist. Ein Vorteil ist, dass man sich zumindest effizienter auf eine Marke konzentrieren kann. Der Entscheidung scheint wirtschaftliches Kalkül gewesen zu sein. Es freut mich, dass Startpage (nachzulesen in deren Blog) kontinuierlich an neuen Features arbeitet.

Das Datenschutzversprechen von Startpage

Besucht man die Suchmaske startpage.com (geniale Domain!) wird mit Datenschutz geworben:

Lass dich nicht online tracken. Schütze deine persönlichen Daten.
Die sicherste Suchmaschine der Welt laut Stiftung Warentest
Kein Speichern, Teilen oder Verkauf deiner Suchdaten
Kein Tracking durch Drittanbieter oder Cookies
Anonym suchen und surfen
https://startpage.com/

Die Datenschutzrichtlinie wiederum ist leicht verständlich und sichert inhaltlich Datenschutz zu.

Wir sammeln keine „persönlichen Daten“
Wir registrieren deine IP-Adresse nicht
Wir setzen keine Tracking-Cookies oder identifizierende Cookies ein
Wir zeichnen deine Suchanfragen nicht auf
https://www.startpage.com/de/privacy-policy/

Startpage · Vorteile · Nutzerperspektive

Einem solchem Versprechen müssen auch Taten folgen. In meinem Bekannten-Kreis ist die Suchmaschine Startpage weniger bekannt als Duckduckgo oder Ecosia. Ersteres assoziieren diese mit Datenschutz, zweiteres mit Nachhaltigkeit. Die meisten greifen weiterhin auf die Google-Suche zu. Insofern ergibt sich ein interessanter Mix. Denn laut einer Studie von Greenspector hat Startpage (nach Ecosia) den zweitbesten ökologischen Fußabdruck bei Suchanfragen. Weiterhin erhalten Nutzer von Startpage Ergebnisse aus der Google-Suche.

Es lässt sich streiten, ob Google im Hinblick auf die Ergebnisse „die beste Suchmaschine ist“. Fakt ist aber, dass Suchende im Internet in der Mehrzahl auf die Resultate von Google vertrauen. Die User-Experience von Startpage und Google sollte sich daher quasi gleichen. Startpage nimmt in diesem Fall die Vermittlerrolle zwischen dem Suchenden und Google ein. Gibt der Nutzer eine Suchanfrage bei Startpage ein, wird diese an einen Cloud-Server von Startpage gesendet, der mit Google kommuniziert. Google wiederum antwortet dem „Premise Server.“ Der Nutzer sieht anonymisierte Google-Ergebnisse. Der niederländische Suchanbieter formuliert das wie folgt: „Google sieht also immer nur Startpage, niemals dich.“ Startpage selbst erhebt statistische Daten wie Betriebssystem, Browsertyp, Sprache usw. Glücklicherweise wird mit Ausnahme vom Preference-Cookie (hier kann man z.B. Werbeeinstellungen festlegen) keine Cookies eingesetzt und die IP-Adresse grundsätzlich nicht gespeichert. Anders dagegen bei automatisierten Suchanfragen (robots). Im Gegensatz zu Google, Bing und Co. werden damit deutlich weniger Nutzer-Daten erhoben. Je weniger Daten erhoben werden, desto besser.

Google sieht also immer nur Startpage, niemals dich.
https://startpage.com

Ein weiterer Vorteil der Holländer ist, dass man sich mit Ihnen aus „Filterblasen“ befreien kann. Ich habe mal mit Freunden einen „Google Test“ gemacht. Wir haben einen Monat lang alle Google benutzt und getestet wie sich unsere Ergebnisse nach einem Monat unterscheiden. Ein interessanter Einblick. Tatsächlich gab es gravierende Unterschiede. Klar, denn Google speichert deine IP-Adresse und verdient sein Geld mit personalisierter Werbung. Am Rande sei erwähnt, dass Startpage sein Geld auch mit Werbung verdient. Jedoch erscheinen Werbeeinblendungen aufgrund eingegebener Suchbegriffe. Werbungen werden grün mit „Anzeige“ gekennzeichnet.

Zusammengefasst erhält der Nutzer mit Startpage den Komfort von Google-Ergebnissen, ohne selbst direkt bei Google zu suchen. Hinsichtlich des Datenschutzes liegt der Mehrgewinn darin, dass Startpage als „Proxy“ zwischen dem Suchenden und Google fungiert. Damit entgeht man der Profil-Bildung durch Google und hindert Google daran, die eigene IP-Adresse in Erfahrung zu bringen. Im Vergleich zur Alphabet-Suchmaschine bietet Startpage somit mehr Datenschutz. Mit dem Geschäftssitz in den Niederlanden sollte eine Bindung an europäische Gesetze und damit die Einhaltung der DSGVO sichergestellt sein. Der ökologische Faktor einer Suchanfrage ist ein netter Zugewinn. Insgesamt macht Startpage als Suchmaschine einen runden Eindruck.

Startpage · Probleme · Schwächen · Kritik

Da dies kein Werbeartikel ist, beleuchte ich auch Aspekte, die ich selbst als kritisch einstufe. In der Hinsicht sollte jeder selbst eine Abwägung zwischen den Vor- und Nachteilen vornehmen.

Stärkung der Marktmacht von Google

Bedenken sollte man, dass man mit der Nutzung von Startpage auf den Komfort der Google-Suche setzt. In anderen Worten basieren die Ergebnisse der Suchanfragen auf Resultaten aus der Google-Suchmaschine. Google selbst ist kein Wohlfahrtskonzern, sondern hat federführend wirtschaftliche Interessen, Geld zu verdienen. Das an sich ist logisch. Für den Zugriff auf Google-Ergebnisse muss Startpage einen Obulus an Google entrichten. Das stärkt die Marktmacht von Google. Ebenfalls profitiert der Alphabet-Konzern an den ausgespielten Werbeanzeigen bei Startpage. Denn Startpage selbst ist Teilnehmer am Google Adsense Programm. Quintessenz hiervon ist, dass man auf der einen Seite seine Daten vor Google schützt, auf der anderen Seite die Wirtschaftsmacht des IT-Konzern stärkt. Dass Startpage seine Dienste auch finanziell tragen muss, verstehe ich dagegen vollkommen. Die Mittelsmann-Rolle ist ein Drahtseilakt bzw. Spagat.

Beteiligungsstruktur: Privacy One / System1

Für Furore in der Datenschutz-Szene hat ein Eintrag vom 17.Oktober 2019 gesorgt. Hier hat man den Einstieg der Privacy One Group Ltd. als Teileinheit von System1 LLC bekanntgegeben.

Who are the owners of Startpage?
Startpage, the world’s most private search engine, is owned by Surfboard Holding BV. Surfboard Holding is a privately held Dutch company registered in Zeist, The Netherlands. In its early years, Surfboard Holding had numerous shareholders. However, during its significant formative years, Surfboard Holding shareholders were substantially reduced to its core founders, who acquired a majority stake in 2006. We most recently welcomed Privacy One Group Ltd, a privacy-focused division that is a separate operating unit of System1 LLC, as a significant new shareholder. Surfboard Holding’s founders and management continue to own an important stake in the company and lead its privacy focused-mission. […]

Bei der System 1 LLC handelt es sich um ein amerikanisches Unternehmen, dass sich auf Werbe- und Marketing-Aktivitäten spezialisiert hat. Kein Wunder, dass dies Bedenken im Hinblick auf den Datenschutz bei Startpage hervorgerufen hat. Zumal die genaue Beteiligungsstruktur nicht kommuniziert wird. Auch mich hat das ehrlicherweise über ein Jahr von Startpage abgehalten.

System1 operates the world’s most advanced Responsive Acquisition Marketing Platform. Connecting high intent customers with advertisers at scale. (System1)

Im Portfolio von System 1 LLC findet sich auch die Suchmaschine info.com sowie der Android-Browser Waterfox. Gleichsam verdient das Unternehmen sein Geld mit dem Auswerten und Verarbeiten von Nutzerdaten. Von einem solchen Verhalten distanziert sich auf der Gegenseite die Suchmaschine Startpage. Daher gehe ich stark davon aus, dass es sich bei der Beteiligung um eine Entscheidung aus finanziellen Interessen handelt. Positiv hervorzuheben ist, dass Startpage den Datenschutz-Bedenken mit einem Statement entgegentritt. Betont wird der Firmensitz in der EU (Niederlande) sowie der Umstand, dass die Startpage-Gründer als Mehrheits-Anteilseigner weiterhin alle Datenschutz-Implementierungen kontrollieren. Hier sollte man niemals vernachlässigen, dass sich in der Welt des Kapitalismus Projekte nicht durch „Luft und Liebe“ finanzieren. In vielen Fällen kann ein Anker-Investor die notwendige (finanzielle) Stabilität der Geschäfte bringen. Einen interessanten Weg hat z.B. das legendäre Open-Source-Unternehmen SUSE mit seinem Börsengang eingeschlagen. Doch man sollte vorsichtig sein, wen man als seine Freunde ansieht. Auch hier ein schmaler Grad zwischen Freund und Feind. Solange Startpage an seinen Grundsätzen festhält und unabhängig bleibt, überwiegen trotz gravierender Bedenken die positiven Aspekte: Startpage kann sich monetär unbeschwert weiterentwickeln.

Fazit · Startpage · Datenschutz

Insgesamt empfehle ich die Suchmaschine Startpage daher vor allem Nutzern, die sowieso auf die Google-Suche gesetzt hätten. Hier sehe ich bei der Startpage-Suche einen Mehrgewinn an Datenschutz. Stichwort: Anonymisierte Google-Ergebnisse. Auch Klima-bewusste Internet-Nutzer können der guten Ökobilanz einiges abgewinnen. Startpage hat seinen berechtigten Platz im Suchmaschinenmarkt. Ich hoffe, dass Startpage das Vertrauen seiner Nutzer nicht verspielt und vehement an seinem Datenschutz-Manifest festhält. Wem die Verbindungen zu Google und zur System1 LLC unvertretbar erscheinen, sei eine Suche mit Metager, Qwant oder Searx zu empfehlen. Ich bin gespannt, wie sich Startpage weiterentwickelt. Aus Gesprächen mit Mitarbeitern ist mir Freundlichkeit in Erinnerung geblieben. Bedankt en veel succes, Startpage!


LG Mr. Datenschutz – die Adresse für Datenschutz und Freiheit

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