Alternativen zu Microsoft Windows: Setzen Sie Linux-Distributionen ein! | MRDS

Haben Sie keine Lust mehr auf Microsoft Windows oder Apple macOS? Ergründen Sie eine der verschiedenen Linux-Distributionen als Alternative zu proprietären Betriebssystemen. Entgegen der landläufigen Meinung ist Linux heutzutage kein Betriebssystem, dass sich ausschließlich nur an technikaffine Bastler und Datenschutz bewusste Nutzer wendet. Vielmehr ist Open Source Software auf dem Vormarsch und selbst Microsoft hat dies mit dem Kauf von GitHub für 7,5 Milliarden US-Dollar gezeigt. Die Zeitung „Der Standard“ schreibt sogar: „Microsoft: Linux ist die Zukunft des Windows-Herstellers.“ Eine These, die sich in der Praxis noch behaupten muss.

Aktuelle Marktsituation bei Betriebssystemen

Gewiss postuliere ich nicht, dass das freie Betriebssystem Linux im nächsten Jahr den Durchbruch bei den Marktanteilen im Bereich Desktop / Laptop erreichen wird. Fakt ist hier, dass Microsoft Windows den Markt für PC-Betriebssysteme dominiert. Erst mit weitem Abstand folgt Apple macOS. Weit abgeschlagen mit einem kleinen einstelligen Marktanteil folgt das freie Betriebssystem Linux.

Wirft man dagegen den Blick auf den Markt mobiler Betriebssysteme, also solche für Smartphones, Tablets und Wearables, dominiert das Betriebssystem „Android“ von Google. Interessanterweise basiert Android auf dem Linux-Kernel. Der Markt für mobile Betriebssysteme wird also von Linux dominiert. Auch wenn Google mit seinem Android ein etwas anderes (zweifelhaftes) Verständnis von „Freiheit“ hat.

Insofern ist es, anknüpfend an die Aussage von oben („Microsoft: Linux ist die Zukunft des Windows-Herstellers.“), durchaus vorstellbar, dass Microsoft im Markt für PC-Betriebssysteme einen ähnlichen Weg wie Google bzw. Alphabet bei den mobilen Betriebssystemen einschlagen möchte. Ob dies gutzuheißen ist, steht auf einem anderen Blatt. Ich gehe stark davon aus, dass Microsoft die bei Microsoft Windows Phone gemachten Fehler nicht noch einmal passieren lassen wird.

Gründe für den Umstieg auf Linux

Bevor ich auf einzelne Linux-Distributionen eingehe, beantworte ich die für Sie relevante und berechtigte Vorfrage, warum ein Wechsel von Windows oder macOS zu Linux für Private und Unternehmer in Betracht zu ziehen ist.

Was spricht für einen Wechsel von Windows / macOS zu Linux?

Die Mehrheit der Privatpersonen und Unternehmer ist – wie auch die Marktanteile zeigen – bereits mit den Betriebssystemen Microsoft Windows oder Apple macOS vertraut. Nicht selten, wenn dann wieder die Anschaffung eines neues Computers, Notebooks oder Laptops ansteht, bleibt man aus Gewohnheit der Routine treu. Dies gilt umso mehr, als das sich das Warenangebot der Elektronik-Händler vor Ort, nicht selten auf besagte Betriebssysteme – Windows und macOS – beschränkt. Mal abgesehen der „Android“-Chromebooks.

Datenschutz nur mit Linux | Übermittlung von Telemetriedaten

Bei der Benutzung eines Computers fallen eine Vielzahl von personenbezogenen Daten an. Denken Sie z.B. an die Familien-Fotos oder die Bewerbungsunterlagen, die Sie vor Kurzem abgeschickt haben oder an elektronische Steuererklärungen, die Sie als Unternehmer online erstellen müssen. Diese Informationen teilt man nur ungern mit der ganzen Welt. Wollen Sie nur auf Ihr (Grund-)Recht auf informationelle Selbstbestimmung pochen und zumindest ein letztes Stück Privatsphäre in dieser datengetriebenen Welt fordern?

Umso wichtiger ist es, dass sowohl Privatleute als auch Unternehmer verstehen, welche datenschutzrechtlichen Risiken mit der Nutzung von Windows 10 und macOS einhergehen. Sowohl Microsoft als auch Apple sind IT-Konzerne, die mit datengetriebenen Geschäftsmodellen ihr Geld verdienen. Dies sollte jedem bewusst sein. Umso kritischer, dass das Unternehmen Apple explizit mit Privatsphäre („Privacy is a fundamental human right.“) wirbt, obgleich dies nicht darüber hinwegtäuschen sollte, dass auch Apple vermehrt den Fokus auf sein Service-Geschäft legt und sich damit vom Hardware-Hersteller zum datengetriebenen Service-Unternehmen wandelt. Mit Windows 10 orientiert sich Microsoft an der Konkurrenz. Dazu Computerbase:

Das Bayrische Landesamt für Datenschutzaufsicht hat sich ausführlich mit der Übertragung von Telemetriedaten von Windows 10 an Microsoft beschäftigt. Das Ergebnis (hier als PDF): Die Datenübermittlung von Microsoft Windows lässt sich nur in der Enterprise-Version des Betriebssystems komplett abschalten. Da nur die wenigsten Nutzer (v.a. aus dem Privatumfeld) die Enterprise-Version nutzen, bedeutet das im Klartext, dass die Übertragung von Telemetriedaten zum Alltag der Windows 10 Nutzer gehört. Eine Möglichkeit zum „Opt-Out“ gibt es nicht. Selbiges gilt analog für die Nutzer von macOS, auch wenn das Unternehmen Apple (werbend) stets betont, dass dabei lediglich „anonyme Daten“ erhoben werden.

Eine Gefahr für die Privatsphäre von Privatnutzern, Unternehmern, Selbständigen und deren Kunden. Dies gilt umso mehr, als das längst nicht alle Behörden und Bildungseinrichtungen die Enterprise-Version nutzen. Hier könnte man ansetzen und verstärkt auf Open-Source-Software in öffentlichen Einrichtungen setzen.

Betriebswirtschaftliche Aspekte | Kosteneinsparungen durch Linux

Ein weiteres Argument für den Ersatz von Microsoft Windows durch Linux können betriebswirtschaftliche Erwägungen sein. Unternehmer sollten die Kosten, die für die Lizenzierung von Microsoft Produkten anfallen, nicht vernachlässigen. Im Umkehrschluss bedeutet das zwar nicht, dass im Unternehmensumfeld der Einsatz und Betrieb von Linux ohne Kosten einhergeht. Grundsätzlich kann Linux als Betriebssystem kostenlos genutzt werden. Jedoch fallen für die Migration von Windows sowie die Anpassung an die individuellen Bedürfnisse ebenfalls Kosten an. Auf der anderen Seite vermeiden Sie durch den Wechsel zu Linux, den sogenannten Lock-in-Effekt. Anders formuliert: Sie befreien sich von der wirtschaftlichen Abhängigkeit zum Unternehmen Microsoft, das wegen seiner marktdominierenden Stellung nahezu jeden Preis für seine Lizenzprodukte verlangen kann. Beachten Sie, dass ein Wechsel des Betriebssystems niemals nur allein auf betriebswirtschaftliche Erwägungen gestützt werden sollte.

Flexibilität durch Anpassungsfähigkeit | Lokale Wirtschaftsförderung

Weiterhin können Sie das Betriebssystem flexibel an ihre jeweiligen Anforderungen anpassen. Schließlich ist der Quellcode frei verfügbar. Die dadurch entstehenden Kosten, die ansonsten in die Lizenzierung fremder Software-Produkte geflossen wären, manifestieren sich im geistigen Know-How des Unternehmens (das wiederum bilanziell als Vermögenwert angesetzt werden kann). Gleichzeitig werden dadurch lokal Arbeitsplätze im Software-Sektor gesichert und der IT-Standort Deutschland gestärkt. Ein Umkehr von der „Windows-Mentalität“ sollte daher auch u.a. im Interesse des deutschen Fiskus stehen.

Was spricht gegen einen Wechsel von Windows / macOS zu Linux?

Fairerweise muss herausgestellt werden, dass das Betriebssystem Linux aufgrund bestehender Bedürfnisse (noch) nicht für jedes Unternehmen geeignet ist. Jedoch könnte sich dies alsbaldig ändern.

Henne-Ei-Problem | Fehlende Verfügbarkeit von Anwendungen

Selbständige, die z.B. im Bereich Fotografie tätig sind, sind berufsbedingt auf Anwendungen wie Adobe Photoshop angewiesen. Nicht immer können existente Open-Source-Software-Lösungen (Empfehlungen) solche Programme ersetzen. Fotografen setzen daher i.d.R. nicht auf Linux, sodass das Unternehmen Adobe z.B. keinen Bedarf sieht, die Software Adobe Photoshop für Linux anzubieten. Das klassische Henne-Ei-Problem bzw. Auswirkung des oben erwähnten Lock-In-Effekts. Auf der anderen Seite führt eine vermehrte Nutzung von Linux zur Lösung dieses Dilemmas. Daher sind v.a. öffentliche Einrichtungen, die mit öffentlichen Steuergeldern hantieren, in der Verantwortung, Impulse in Richtung Linux zu setzen und wir als Nutzer zur Förderung von Open Source Software.

Migrationskosten | Komplexere Kostenskalierung individueller Lösungen

Zu den oben erwähnten Kostenvorteilen tritt als Kehrseite die komplexere Kostenstruktur beim Aufbau und Betrieb einer individuellen Linux-Lösung. Hier müssen Sie ihr Vorhaben aus betriebswirtschaftlicher Sicht genau prüfen lassen. Bedenken Sie, dass die Umstellung auch mit finanziellen Anreizen verbunden ist. Sie schaffen Vermögenswerte in Form von geistigen Kapital und erhalten eventuell öffentliche Gelder aus Wirtschaftsförderungsprogrammen.

Wenn Sie zudem proprietäre Betriebssysteme benutzen, sollten Sie stets das finanzielle Risiko bedenken, welches durch Wirtschafts-Spionage entsteht. Dem Schutz ihrer Geschäftsgeheimnissen (Patente, Wirtschafts-Daten) ist der Einsatz von Linux zuträglich.

Zusammenfassung der Argumente | Übersicht: Vor- und Nachteile

Für einen Überblick die wesentlichen Argumente zusammengefasst.

Argumente für einen WechselArgumente gegen einen Wechsel
Keine Lizenzierungskosten
Flexibilität / Anpassbarkeit
Lokale Wirtschaftsförderung
Datenschutz (Patentschutz)
Förderung von Open Source
Migrationskosten
Bessere Skalierbarkeit
Macht der Gewohnheit
Fehlende Anwendungen
Zeitaufwand / Umschulung

(!) Die Analyse hat keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Sie dient lediglich als eine Orientierungshilfe bei der Wahl des Betriebssystems.

Linux-Distributionen | Top 10 am Markt (2019)

Meiner Meinung nach, gestützt auf obige Argumente, sprechen viele Gründe für einen Wechsel des Betriebssystems hin zu Linux. Die Entscheidung, ob Sie von Windows bzw. macOS zu Linux wechseln, kann ich Ihnen aber nicht abnehmen. Eine Beratung, welche Linux-Distributionen zu ihrem Unternehmen passt, wird an dieser Stelle nicht angeboten. Als Orientierungshilfe bzw. Inspiration werden die Top-10 der meist genutzten Distribution des Jahres 2019 erwähnt.

LG Mr. Datenschutz – die Adresse für Datenschutz und Freiheit

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