Paysafecard · Anonym im Internet bezahlen?

Die Paysafecard ist ein Prepaid-Zahlungsmittel für Zahlungen im Internet. Die ursprüngliche Idee von Paysafe war es, online Waren zu bestellen, ohne sensible Zahlungsinformationen angeben zu müssen. Im Laden bzw. einer teilnehmenden Verkaufsstelle kauft man eine paysafecard im Wert von 10, 15, 20, 25, 30, 50 und 100€ und löst dann den 16-stelligen Code auf der paysafecard in teilnehmenden Online-Shops ein. Kann man damit anonym bezahlen?

Wer steckt hinter der Paysafecard?

Das Angebot „Paysafecard“ betreibt die börsennotierte Paysafe Group PLC. Das Unternehmen hat seinen (steuergünstigen) Sitz in Douglas auf der britischen Insel „Isle of Man“. Unter den Investoren und Kapitalgebern finden sich Akteure aus der Finanz-Branche sowie einige Venture-Kapital-Geber. Mit dem PayPal-Konkurrrenten Skrill hat man einen bekannten Partner am Bord.

Für was werden Paysafe-Karten eingesetzt?

Nutzer wiegen sich in der (scheinbaren) Anonymität. Deshalb werden Paysafe-Karten vor allem bei Webseiten mit erotischem oder nicht-jugendfreiem Inhalt Glückspiel, und File-Sharing-Plattformen genutzt. Auch Jugendliche nutzen den Service, um ihr Taschengeld für Online-Games oder Computerspiele auszugeben, da sie zumeist weder über ein Bankkonto noch eine Kreditkarte verfügen. Laut AGB wird gleichsam ein Mindestalter von 16 Jahren vorausgesetzt. Diese Altersgrenze gilt insbesondere für die Registrierung eines mypaysafecard-Kontos.

Was kostet die Nutzung der Paysafecard?

Die Nutzung der Paysafecard ist grundsätzlich kostenlos. Bei Nicht-Nutzung fallen allerdings laut AGB einige Kosten an. Ab dem 7. Monat wird eine monatliche Bereitstellungsgebühr von 3€ vom Restguthaben der PIN abgebucht. Bei Transaktionen von Fremdwährungen wird ein Umrechnungsaufschlag erhoben und eine Rücktauschgebühr von 7,50€ pro Rücktausch. Für das my paysafecard Konto wird ab dem 13. Monat monatliche Gebühr i.H.v. 2€ vom abgezogen, sofern der Kunde innerhalb von 12 Monaten keine Transaktion getätigt hat. Pro Zahlungsvorgang gibt es ein Limit auf 50€ sowie ein jährliches Transaktionslimit von 15.000€.

Ist die Nutzung der Paysafecard anonym?

Doch ist die Nutzung von Paysafe anonym? Wenn wir davon ausgehen, dass die paysafecard mit dem 16-stelligen Code vor Ort mit Bargeld erworben worden ist, ist der Nutzer bis zu diesem Zeitpunkt anonym. Dabei lassen wir die Videoüberwachung in den Läden aussenvor. Bei der Eingabe der Codes im Internet, ermittelt der Anbieter von Paysafe allerdings die IP-Adresse des Nutzers. Bei der IP-Adresse handelt es sich laut BGH (BGH, 16.05.2017 – VI ZR 135/13) um ein personenbezogenes Datum. Über Internetprovider ist ein Rückschluss auf den Anschlussinhaber möglich. Beim Versuch einen Paysafe-Code mittels verschleierter IP-Adresse über TOR oder VPN-Anbieter einzulösen, wurde Lars Sobiraj vom Blog „Tarnkappe“ aufgefordert, sich zu identifizieren. Diese Möglichkeit räumt sich Paysafe in entsprechenden AGB-Passagen ein.

4.5. Hinweis: Aufgrund geldwäscherechtlicher Vorgaben und zur Risikominimierung kann beim Erwerb und bei der Nutzung der paysafecard eine vorherige Registrierung bzw. Kundenidentifizierung erforderlich sein.

6.4. Wir sind berechtigt, eine paysafecard unverzüglich zu sperren oder den Vertrag zu kündigen, wenn unsererseits der Verdacht eines Betruges oder Missbrauches oder sonstige Sicherheitsbedenken bestehen oder wenn wir hierzu gesetzlich verpflichtet sein sollten. Dies gilt insbesondere, wenn der Verdacht besteht, dass Sie paysafecards bei Tauschbörsen oder dergleichen entgeltlich oder unentgeltlich erworben haben. Sollten diese Sicherheitsbedenken ausgeräumt werden, werden wir Ihnen auf Verlangen eine Ersatz-paysafecard mit dem Wert der gesperrten paysafecard ausstellen.

Dem Anbieter scheint es nicht an der Anonymität der Nutzer gelegen zu sein. Als Anbieter von Finanzdienstleistungen fürchtet sich das Unternehmen vielmehr vor Sanktionen des Gesetzgebers bei Verstoß gegen Geldwäschevorschriften und um eigene Risikominimierung bei der reibungslosen Abwicklung von Zahlungsvorgängen. Ein Recht auf Anonymität und staatlich regulierte Finanzprodukte beißen sich. Es ist daher gut nachvollziehbar, dass sich Paysafe durch Erhebung personenbezogener Daten rechtlich absichert. Für den gutmütigen Nutzer ist dann aber in aller Deutlichkeit zu kommunizieren: Die Nutzung von Paysafe ist nicht anonym.

Registrieren Sie sich bitte!

Aktiv wird für die Nutzung eines mypaysafecard-Kontos geworben und sogar im Rahmen des Marketing-Budgets Geld verschenkt (MyDealz: 100€ Guthaben für 50€ und Verifizierung). Beim Paysafecard-Konto wird dann auf allen Fronten blankgezogen. Erhoben werden Name, Geburtsdatum, Telefonnummer, Steuernummer (optional), Adresse, Name, E-Mail-Adresse, und Passwort. Erforderlich sind SMS-Verifizierung, E-Mail-Bestätigung und Identifizierung mittels hochgeladenen Dokuments (Reisepass, Personalausweis, Aufenthaltsgenehmigung, Führerschein). Ein kleiner Funken Hoffnung bleibt aber: Wer Internet aus einem Internet-Café bezieht oder z.B. ein Freifunk-WLAN-Netzwerk nutzt und hier seinen Paysafe-Karte-Code einlöst, kann mit etwas Glück anonym bezahlen. Anonymität bei Paysafe ist somit höchstens ein Glückspiel, auch wenn man den Dienst nicht für Glückspiel nutzt. Schade, denn auch rechtstreue Nutzer wünschen sich online Anonymität. Paysafe wird diesem Nutzer-Wunsch nicht gerecht.


Schönes Neues Geld

Schönes Neues Geld von Norbert Häring setzt sich mit der „digitalen Inklusion“ im Finanzsektor auseinander. Lektüre über Profiteure der Bargeldabschaffung, Staaten und Unternehmen.


LG Mr. Datenschutz – die Adresse für Datenschutz und Freiheit

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