MRDS: Wir müssen reden…

Hallo liebe Leser.

Lange Zeit war es still rund um das Projekt „Mr. Datenschutz“. Einige haben bereits gefragt, ob dies das Ende dieser Webseite sei. Vorweg: Das Projekt Mr. Datenschutz wird weiter fortgeführt und lebt. Auf Pixelfed habe ich bereits angekündigt: „Ich habe in meinem Leben aufgeräumt und erkläre euch wie es weiter geht!“ Die Erklärung möchte ich an dieser Stelle liefern. Lasst mich zunächst ausholen und euch meine kleine Geschichte erzählen:

Seit vielen Jahren beschäftige ich mich schon mit dem Thema Datenschutz. Nicht immer zur Freude meines Umkreises. Ich bin mir sicher, dass meine Familie und Freunde es in dieser Hinsicht nicht sehr leicht mit mir haben. Sobald das Thema Datenschutz in Gesprächen auftaucht, sehe ich wieder wie mich einige Menschen mit kritischen Blicken anschauen und sich denken „Du schon wieder mit deinem verrückten Datenschutz.“ Auch wenn ich wieder die Nachrichten gelesen bzw. geschaut habe, konnte ich mich nur noch aufregen über die zunehmende staatliche Überwachung. SIM-Karten-Registrierungspflicht, Fingerabdrücke in Ausweisdokumenten, PSD2, Vorratsdatenspeicherung usw. um nur einige Beispiele zu nennen. Was sollte ich tun? Frust in mir stauen und geknickt durch die Welt gehen?

Ich habe einen anderen Weg eingeschlagen und versucht schrittweise mein Datenschutz-Level zu verbessern. Das bedeutete für mich, dass ich erst „ins kalte Wasser geworfen“ wurde. Gut. Du interessierst Dich für Datenschutz? Ja, aber wie geht das richtig? Zum Glück gibt es Bücher und Blogs, die sich ausführlich mit dem Themenbereich Datenschutz auseinandersetzen. Denn leider stellt Datenschutz in der heutigen Welt in vielen Situationen eine „Opt-In“-Situation dar. Was ich meine: Wer Datenschutz haben möchte, musss aktiv werden. Es ist nunmal leider nicht die Standardeinstellung. Deshalb bin ich froh, dass es z.B. Netzpolitik.org und Digitalcourage.de gibt, die darauf hinwirken möchten, dass sich diese Standardeinstellung ändert. Für Privatanwender bieten Webseiten wie z.B. der Kuketz-Blog Mehrwert und natürlich noch tausende andere Webseiten und Datenschutz-Angebote. Man man nur danach suchen und dann endlich zur Handlung schreiten!

Diese Schiene habe ich über mehrere Jahre gefahren und mir in meinem Umfeld einen gewissen Status im Bereich Datenschutz aufgebaut. Mit der Zeit kamen Freunde und Bekannte zu mir und fragten mich, wie sie Ihr Datenschutz-Level verbessern können. Nicht selten bin ich dabei auf folgende Aussagen gestoßen: „Da mir Datenschutz nun am Herzen liegt, habe ich Telegram und Threema als Messenger installiert und direkt DuckDuckGo als Suchmaschine eingerichtet. Was hältst du davon? Du musst richtig stolz auf mich sein, dass ich jetzt vermehrt auf Datenschutz achte. Cool, oder?“ Daraufhin habe ich den Leuten in Ruhe erklärt, dass ich Ihre Mühen durchaus schätze, Ihnen aber leider mitteilen muss, dass die gewählten Dienste aus Datenschutz-Sicht nicht zu empfehlen sind, sondern andere Dienste in der Gunst stehen, wenn man das Thema wirklich ernst nimmt.

Leider ist es für Privatanwender nicht immer einfach, Datenschutz richtig umzusetzen. In vielen Fällen fehlt das Grundverständnis und / oder das Problembewusstsein. Dabei will ich den Menschen auch kein Vorwurf machen. Sie haben es meistens nicht anders gelernt und hangeln sich deshalb an jedem medialen Strohhalm, der Ihnen Datenschutz verspricht. Gewissermaßen musste ich auch selbst da durch und immer wieder lernen.

Deshalb habe ich es mir zum Ziel gesetzt, meine Energie dahingehend einzusetzen, die Menschen im Themenfeld Datenschutz aufzuklären. Die Erfahrung hat mir gezeigt, dass es nichts bringt, Menschen Datenschutz aufzuzwingen. Im Gegenteil kann dies verschrecken und sogar zu ablehnenden Trotz-Reaktionen führen. Wichtig ist Wissensvermittlung! Statt also Frust in mir aufzustauen, habe ich angefangen die Wut bzw. Energie in mir in positives Schaffen umzuwandeln: Ergo Mr. Datenschutz.

Im Jahre 2018 bin ich zum ersten mal unter dem Namen „Mr. Datenschutz“ aufgetreten. Vor allem Mastodon hat mir dabei zum Durchbruch verholfen. Ein wunderbares Gefühl, wenn man sieht, dass meine Gedanken und Worte auf Anklang stoßen. Ich bin nicht mehr allein und kann etwas bewirken! Ein Hort der positiven Gedanken und voller Menschen, welche die Welt verbessern bzw. gestalten wollen. Besonders aufgefallen sind mir junge Menschen voller Elan wie Nuron(Mastodon) und Niklas(Mastodon). Keine Ahnung warum ich das an dieser Stelle schreibe, aber einfach nur danke! Ehrlicherweise gab es anfangs ein paar Startschwierigkeiten. Auch 2018 habe ich meine Fehler gemacht. Man könnte sagen, dass ich dumm und naiv war. Kromonos (Mastodon) an dieser Stelle Dir ein großes Danke! Ich stand vor der Entscheidung: Alles schmeißen oder lieber weitermachen. Mein Herz hat mir gesagt, dass es nur einen Weg gibt: Den Weg nach vorne!

Mit dieser Energie hat das Jahr 2019 richtig gut angefangen. Ich habe den großen Schritt gewagt und bei Netcup.de ein Webhosting-Paket inklusive dieser Domain mrdatenschutz.de gebucht. Reaktion meiner Eltern: „Was treibst Du im Internet? Ist das nicht riskant? Da geht doch zu viel Zeit drauf. Konzentriere Dich bitte auf andere Sachen.“ Habe ich darauf gehört? Nein, mein Herz hat mir gesagt: Du machst das! Gleichsam bin ich sehr dankbar für meine fürsorglichen Eltern, auf die ich immer bauen kann. Danke! Zudem habe ich voller Elan neben meinem Studium einen Job in der Wirtschaft angenommen. Wie es dazu kam: Ich konnte perfekt getimt zur Einführung der Datenschutzgrundverordnung am 25. Mai 2018 meine Kenntnisse im Datenschutzrecht im Rahmen eines Praktikum einbringen. Dabei habe ich derart überzeugen können, dass ich einen unbefristeten Arbeitsvertrag unterzeichnen durfte. Seitem sitze ich an einem wichtigen Hebel: Ich kann die Zukunft des Datenschutzes in Unternehmen gestalten. Dem nicht genug, hat mir 2019 auch die Möglichkeit geschenkt, Menschen zu motivieren, einen gesünderen Lifestyle zu führen. Über die Sportkurse lerne ich eine Vielzahl von Menschen kennen. Inspirierende Menschen treten in mein Leben. Nachhaltigkeit interessiert mich mehr und mehr.Im März diskutiert Europa über die EU-Urheberrechtsreform und den Zwang von Fingerabdrücken im Personalausweis. Zwei Themen, gegen die ich gerne meine ganzen Kräfte aufwenden würde. Denn weder kann ich die derzeitige Monopolisierung des Internets (Art. 13 bzw. Art. 17 und die Filter-Technologie führt faktisch zu einer weiteren Monopolisierung) noch den Biometrie-Wahn gutheißen. Ich bin kein Krimineller und möchte daher nicht erkennungsdienstlich wie einer behandelt werden (vgl. §81b StPO)! Daher suchte ich ein Vehikel, um meine Energie zu entfachen. Über meine bisherige Mastodon-Bekanntschafen stoße ich auf Anoxinon, einen Verein, der Bürger informieren und freie Software stärken möchte. Dort lernte ich Personen kennen bzw. traf auf mir bekannte Namen von Datenschützern. Mit PSD2 und dem Banking erschließe ich eine weitere Wissensdomäne. Ich beginne mich einzubringen und manifestierte meine Gedanken auf Papier.Leider beginne ich langsam die Menschen zu vernachlässigen, die mich in meinem alltäglichen Leben stets aufbauen und gewissermaßen „erden„. Gut, wenigstens hat sich im April eine juristische Altlast glücklicherweise gelöst. Ab dann bin ich vollends im Modus „Erstes Juristisches Staatsexamen„. Ich fange an sozial unangenehm zu werden. Wie eine Maschine beginne ich jeden Tag und beende den Tag nach eben diesen Muster. Die Nacht wird zum Tag. Der Tag wird zu Nacht. Wer bin ich und was mache ich gerade? Was mich hält ist der Sport und die Zuneigung meiner Freundin. Danke! Meine Ideen im Kopf, meine kreativen Gedanken, mein Herz vs. mein Handeln sprechen zwei Sprachen. September. September. September. Der Datenschützer in meinem Kopf haut gegen meine Schädeldecke während sich der Körper und dessen ausführenden Organe auf Jura konzentrieren. Parallel hat man sich in der EU auf die (ecklige) Fingerabdruck-Pflicht im Personalausweis geeinigt. Ein Gefühl der Machtlosigkeit macht sich breit. Zudem musste ich mir zum ersten mal einen biometrischen Reisepass ausstellen lassen. Wer schützt uns vor den Überwachern? Warum tritt man unserer Recht auf informationelle Selbstbestimmung derart mit Füßen? September: Ich drehe mich im „Hamsterrad“ meines alltäglichen Lebens.Nachdem ich mich erholt habe, krempele ich mein ganzes Leben im Oktober um. Ich musste schwere Entscheidungen. Nunmehr pendele ich regelmäßig, sodass mehrmals die Woche etwa drei Stunden pro Tag allein für allerwildeste Bahn-Geschichten draufgehen. Ein Großteil meines Geldes geht für Weiterbildung drauf. Den Wissen ist eine unschätzbare Macht. Obwohl ich an das Limit meiner Kapazitäten stoße (Studium, Arbeit, Sport, Weiterbildung, Pendeln, soziales Leben etc…) setze ich mit der Hilfe eines wunderbaren Menschen die Webseite auf. Probleme an denen ich tagelang meinen Kopf zerbrochen habe, konnten gelöst werden. An manche Dinge habe ich zu dem Zeitpunkt nicht gedacht. Manchmal habe ich mir die Frage gestellt: Was habe ich an mir, dass ich eine solche tolle Unterstützung anziehen konnte? War es meine Vision? Zeitgleich hat mein Freund und Designer Denis [Instagram] das geniale Logo erstellt. Vorweg: Ich verlinke auf Instagram, da er leider (noch) nicht im Fediverse ist und ich getrieben bin vom Willen, Ihm etwas zurückzugeben. Das ist meine Chance. Danke! Mein Glaubenssatz: „Ich möchte niemals im Internet-Impressum stehen.“ werfe ich über Bord. Eine neue SIM-Karte zur Kontaktaufnahme kaufe ich. Abermals werde ich mit den Gängelungen des Gesetzgebers konfroniert: SIM-Karten-Registrierungspflicht. Das ist mir noch einen Artikel wert. Es tut weh, aber der Glauben an das Projekt treibt mich. Schließlich muss auch ich mich an gesetzliche Regelungen halten, die ich hoffentlich in Zukunft aktiv zum Besten gestalten kann: Für die Freiheit und den Datenschutz. Ich setze mich mit Unternehmen zusammen, die einen Mehrwert für die Leser bieten können. Schließlich muss auch ich schauen, wie ich über die Runden komme und es ist schade, wenn ich meine Zeit nicht in das Projekt stecken kann, weil ich gerade arbeite, um mein Leben und die kostenlose Webseite zu finanzieren. Gewiss möchte ich die Seite nicht finanziell ausschlachten. Wie heißt es so schön: Um ein Projekt erfolgreich zu gestalten, braucht es Zeit, Geld und Leidenschaft. Ein schwieriger Mix. Ich gebe hier mein Bestes.Was für die Leser sichtbar war: Das Projekt „Mr. Datenschutz“ hat mit einer kaum vorstellbaren Geschwindigkeit qualitative Artikel rausgehauen und die Seite ist durch die Leser-Resonanz gewachsen. Danke geschätzte Leser! Im November geht der Hustle weiter. Langsam begreife ich, was passiert: Es ist so krass, wie viel man mit dem Willen, der Motivation und der in Dankbarkeit kaum aufwiegbaren Mithilfe von Menschen erreichen kann. Mein Schlafrythmus zu der Zeit kann nicht mehr als normal bezeichnet werden: Um den Terminplan für die Artikel einzuhalten, schreibe ich teilweise bis 3 Uhr in die Nacht, obwohl ich um 6 Uhr wieder aufstehen muss. Ich arbeite noch mehr, um in meinen Angestelltenverhältnissen Geld zu verdienen. Das Projekt betreibe ich in der Freizeit, in der ich kaum Zeit habe. Leider konnte ich in diesem Zustand nicht allen Menschen, die verdiente Dankbarkeit entgegenbringen. Irgendwann meldete sich mein Körper zu Wort: Studium, Website, Arbeit, Sport, Arbeit, Reste des Soziallebens das war zu viel: Mein Bett war lange Zeit der Freund. In dieser Zeit konnte ich wenigstens auf Menschlichkeit meiner Mitmenschen zählen.Im Dezember musste ich Konsequenzen ziehen: So kann es nicht weiter gehen. Was bringt es mir, wenn ich in besagten Bereichen Höchstleistungen erbringe, wenn dies auf Kosten meiner Gesundheit, meiner Mitmenschen und meines Soziallebens geschieht? Um wieder Distanz zu gewinnen und Kräfte zu tanken, habe ich die Webseite und Mastodon temporär in Ruhe gelassen. Ich musste zunächst Ordnung schaffen. Im Laufe des Jahres hat sich im Gehirn, auf dem Computer, auf dem Handy, im Mail-Postfach, in den zwischenmenschlichen Beziehungen ein außerordentliches Chaos angestaut. Ich beginne mich zu sortieren und schaffe schrittweise Ordnung. Ziele, die sich Menschen für das neue Jahr vornehmen, setze ich bereits im Dezember um: Schließlich wollte ich geordnet in das Jahr 2020 starten. Ich wechselte meinen Mail-Anbieter zu Mailbox.org. Auch mein Social-Media verheißt Veränderung. Meine Wohlfühloase Mastodon.at entschließt zu schließen. Ich wechselte zur Mastodon-Instanz „Social.Dev-Wiki„. In dieser Zeit lerne ich zu schätzen, welche Bedeutung die Mastodon-Instanz „Mastodon.at“ von Patrick für mich hatte. Falls Du das ließt. Dankeschön! GGC-Project, die Betreiber von Social.Dev-Wiki habe mich aufgefangen und mich unterstützt, wertgeschätzte Follower wieder zurück zu bekommen. Es entwickelt sich eine Nähebeziehung ungeschätzten Wertes. Dankeschön! Ich ordne mein Leben weiter: Mails, Dokumente usw. werden strukturiert geordnet. Danke, dass man mich darauf hingewiesen hat. Ich glaube, dieser Schritt war notwendig, um das Leben wieder unter Kontrolle zu haben. Das ich in der Zeit andere Menschen entäuscht habe, die an mich glauben bzw. geglaubt haben, kann ich gut nachvollziehen. Mit diesem Schmerz muss ich leben und kann nur mit Liebe Antworten: Dankeschön für einfach alles! Das die Dankbarkeit in naher oder ferner Zukunft seinen Empfänger findet. Meine Leser machen sich auch bereits Sorgen: „Es wäre schade, wenn diese Webseite, die stark gestartet ist, einfach verschwindet.“ Das Statement des Lesers zeigt mir: Man schätzt die Arbeit und vermisst meine Anwesenheit. Ich habe Mehrwert geschaffen, jemandem einen Gedankenanstoß mitgeben können, im weitesten Sinne die Welt also zu einem besseren Ort gemacht. Solche Kommentare motivieren mich. Auch über mir entgegengebrachte Kritik freue ich mich: Sie macht mich stark und lässt mich weiter wachsen.

Die Distanz hat mir auch die Möglichkeit gegeben nachzudenken: Wer bin ich? Was möchte ich? Was sind meine Ziele? Was macht mich glücklich? Diese Fragen habe ich für mich beantwortet und starte daher 2020 mit neuen Erfahrungen und gestärkt aus Fehlern des vergangenen Jahres. Auf dieser Webseite werde ich das machen, was mich glücklich macht und meine Gedanken zum Datenschutz vorstellen, Anleitungen zur Hand geben und gesellschaftliche bzw. juristische Entwicklungen beleuchten. Ich hoffe, dass positive Energie, die ich in neue Artikel stecken werde, auf Gegenliebe stoßen wird und mir Worten der Wertschätzung entgegentreten werden. Wir können uns als Datenschutz-Szene gegenseitig die Köpfe einschlagen und uns in Diskussionen wie „XMPP vs. Matrix“ verlieren und uns fertig machen, mit den Finger auf andere zeigen oder uns als Datenschutz-Community vernetzen und für unsere Mission geschlossen einstehen für das was uns wirklich ist. Es gibt Meinungsdifferenzen und ich bin der letze, der von sich behaupten würde, dass er frei von Fehlern sei. Ich sitze auch im Glashaus und möchte nicht mit (Datenschutz-)Steinen werfen, sondern Liebe und Positivität verbreiten. Macht auch Ihr 2020 zu einem Jahr in dem Ihr in dieser kranken Welt mehr Liebe zeigt. Ich habe letztes Jahr nicht alles richtig gemacht und Tränen in die Welt gesetzt. Dieses Kapitel möchte ich schließen und neu starten. Abschließendend ein Wort an alle Mitstreiter:

DANKE!


Bildquelle: Pixabay

2 Replies to “MRDS: Wir müssen reden…”

  1. Danke für diesen Beitrag. Nein, nicht nur für diesen. Aber gerade dieser offene, ehrliche Beitrag lässt mich an den gelegentlich zitierten Gedanken eines klugen Mannes denken. Sinngemäß: Jeder Andere spiegelt uns etwas von uns selbst wieder.
    Und deshalb war es so interessant zu lesen, ich glaube jeder kann sich mindestens zum Teil darin gespiegelt finden.
    Und sich wach machen lassen.
    Danke!

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