„Alexa Play Despacito“ · Weg mit den Sprach-Assistenten!

Virtuelle Sprach-Assistenten wie Alexa und Siri finden in immer mehr Haushalten Platz. Android-Geräte werden standardmäßig mit „Ok Google“, iOS-Geräte mit Siri, Amazon-Geräte mit Alexa und Microsoft-Geräte mit Cortana ausgeliefert. Dem nicht genug scheint sich vor allem Amazon neben Google und Apple mit seinen intelligenten Lautsprechern im Smart-Home durchzusetzen.

Was ist das Problem mit den Sprach-Assistenten?

Ich muss zugeben, dass die Steuerung mittels Sprache seinen Reiz hat. Im Alltag kommunizieren wir schließlich mit anderen Menschen auch über das Instrument der gesprochenen Sprache. Dies erklärt auch den Umstand, dass virtuellen Sprachassistenten wie Alexa etwas menschliches zugeschrieben wird. Siri wurden z.B. Attribute wie Humor, Witz und Frechheit antrainiert. Für Witze wie „Alexa Play Despacito“ und „Alexa are you connteced to the CIA“ ist das sicherlich nicht schlecht. Zudem sehe ich ein seriösen Anwendungsbereich für Menschen mit körperlicher Behinderung. Darüber hinaus sehe ich allerdings in den Anwendungsfeldern (z.B. Podcasts oder Musik abspielen, Lichter und Geräte mit programmierten Routinen an- und ausschalten) nur einen Komfort, der zulasten des Datenschutzes geht. Mir geht es dabei vor allem nicht darum, den technischen Fortschritt zu verhindern, sondern datenschutzfreundlicher zu gestalten.

Datenschutzfreundliche Sprach-Assistenten

Fasziniert war ich daher über das Projekt Snips.ai. Das Unternehmen hat eine Plattform für Sprach-Assistenten angeboten, die lokal und datenschutzfreundlich z.B. mit einem Raspberry Pi betrieben werden konnte. Eine solche Zukunft der Sprachassistenten wäre ein Traum. Jedoch hat Sonos das Unternehmen übernommen und die Option für lokale Sprachsteuerung leider eingestellt. Derzeit arbeitet Florian Quirin mit S.E.P.I.A. und openHAB an einer Alternative. Die Mozilla Foundation arbeitet mit dem Common-Voice-Projekt an einem freien Sprachdatensatz.

Sprach-Assistenten: Sprache in der Wolke

Die Anbieter Amazon, Apple und Google, nur um ein paar Namen zu nennen, setzen hingegen auf cloudbasierte Lösungen. Die Sprach-Ausschnitte, die nach dem Stichwort „Alexa“, „Hey Siri“ und „Ok Google“, gesprochen werden, landen dabei auf Server in die USA. Dort werden Sie analysiert und das Programm hinter den Sprach-Assistenten gibt eine passende Antwort aus. Keine Überraschung ist es, dass die Anbieter den Sprachaufnahmen-Verlauf speichern. Eine Anleitung zu Amazon Alexa zeigt, wie man diese löschen kann. Aus der gesprochenen Sprache kann man viel mehr Informationen gewinnen, als aus dem geschriebenen Wort. Ist man glücklich oder traurig, gesund oder krank? Informationen, die man aus dem Gesprochenen ziehen kann und für deren (werberelevante) Analyse sich Amazon ein Patent gesichert hat. Passend, dass man mit Übernahmen, wie von PillPack und Health Navigator, im Gesundheits-Sektor Fuß fasst.

Besuch bei Alexa-Nutzerschaft

Ich selbst will niemanden das Recht nehmen, solche Geräte zu benutzen. Gleichsam habe ich ein unbehagliches Gefühl, wenn ich einen Haushalt besuche, bei dem z.B. ein Alexa-Gerät steht. Ein Freund hat mich zu ihm eingeladen. Wir hatten nach langer Zeit wieder ein reges Gespräch… bis er mir gesagt hat, dass versteckt in der Ecke ein Echo Dot steht. Als Reaktion habe ich darum gebeten, dass wir das Gespräch in einem anderen Raum fortsetzen. Zwar sollte im Regelfall das Alexa-Gerät die Kommunikation nur mitschneiden, wenn das Keyword „Alexa“ genannt wird. Garantiert ist das gleichsam nicht. Bei einer Bahn-Fahrt hat mir ein Informatik-Student seine clevere Lösung mitgeteilt. Er hat dem Alexa-Gerät ein Raspberry-Pi-Kill-Switch vorgeschaltet. Konsequent wäre es auch die Handys zur Seite zu legen, da hier auch Sprach-Assistenten wie „Ok Google“ und „Siri“ am Werk sind. Unter Freunden hat es sich durchgesetzt, sein Smartphone zur Seite zu legen. Interessant ist schließlich der Gesprächspartner und nicht das Handy. Es ist allgemein ein unbehagliches Gefühl, wenn man weiß, dass Gespräche nicht privat bleiben. Das gilt sowohl für cloudbasierte Sprachsysteme als auch für etwas zu gesprächsfreudige Bekannte.


LG Mr. Datenschutz – die Adresse für Datenschutz und Freiheit

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.